Open-Source-Software ist Infrastruktur.
Jemand muss sie finanzieren.
Ob Redaktionen, Unternehmen, Behörden oder der Katastrophenschutz – viele verwenden Karten für Lokal- oder Datenjournalismus, Reiseauskunft, Bürgerinformation oder Einsatzleitung. Fast alle mieten diese Karten bei großen kommerziellen Plattformen. Die Folgen sind hohe Kosten, Abhängigkeiten und Lock-in-Effekte. Wer sich einmal von einer Plattform abhängig gemacht hat, zahlt viel Geld und kommt nur schwer wieder los.
Es geht auch anders.
VersaTiles ist eine offene Karteninfrastruktur. Sie entstand 2023 im SWR Data Lab, wurde dann hauptsächlich von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg sowie NGI0 der Europäischen Kommission finanziert und wird inzwischen von einer wachsenden Community weiterentwickelt. Medien wie der NDR und der SWR sowie einige Unternehmen betreiben VersaTiles sogar in ihrer eigenen Infrastruktur. Die breiten Einsatzmöglichkeiten zeigen sich in etwa 70 Projekten aus 19 Ländern.
Der wirtschaftliche Unterschied ist drastisch: Eine interaktive Karte auf der Startseite eines Nachrichtenportals mit großer Reichweite kann bei kommerziellen Anbietern 50.000 Euro und mehr pro Monat kosten – selbst mit ausgehandeltem Mengenrabatt. Mit VersaTiles lägen die Hostingkosten dagegen weit unter 100 Euro.
VersaTiles ist Open-Source-Software, sodass jede Organisation es heute schon nutzen und selbst kostenlos betreiben kann. Damit ist jedoch nicht sichergestellt, dass VersaTiles auch morgen noch weiterentwickelt und gepflegt wird. Rechenleistung, Kartendaten und Weiterentwicklung kosten Geld und Arbeitszeit. An VersaTiles arbeiten viele mit, doch die Kosten und die Verantwortung für den Kern trage bislang ich als einzelne Person ehrenamtlich.
Wer seine Karten auf VersaTiles aufbaut, ohne sich zu beteiligen, hofft darauf, dass andere die Weiterentwicklung finanzieren.
VersaTiles ist mehr als nur ein kostenloses Werkzeug: Es ist eine digitale, öffentliche Infrastruktur. Eine solche Infrastruktur muss gepflegt werden. Sie darf nicht von einer Einzelperson abhängig sein, nicht auf Profit ausgerichtet sein und weder verkauft noch insolvent gehen können. Benötigt wird eine breite, gemeinwohlorientierte Trägerschaft, wie sie das World Wide Web Consortium für das Web als offene Plattform oder das Deutsche Institut für Normung zur Minimierung von Lock-in-Effekten in der Industrie sicherstellt. Genau eine solche Trägerschaft wollen wir auch für Webkarten schaffen.
Der Plan:
- Gemeinsam mit zehn Organisationen gründen wir ein Konsortium als eingetragenen Verein. Dieser hält alle Rechte, entscheidet gemeinsam über die strategische Ausrichtung, finanziert die Weiterentwicklung und sorgt dafür, dass VersaTiles langfristig frei und quelloffen bleibt.
- Jedes Gründungsmitglied trägt 700 € netto im Monat bei. Darin enthalten sind die Kosten für den Betrieb der Infrastruktur, die Weiterentwicklung der Software, die Pflege der Kartendaten sowie das Mitspracherecht über die zukünftige Ausrichtung. Wenn das Konsortium weiter wächst, können die Beiträge sinken, da sich die Finanzierung auf mehr Schultern verteilt.
- Das Konsortium betreibt VersaTiles für seine Mitglieder und bietet ihnen damit ein zuverlässiges und souveränes Karten-Hosting. Das spart den Mitgliedern eigene Hosting- und Administrationskosten.
Je mehr User eine Karte aufrufen, desto teurer wird sie.
Außer im VersaTiles-Konsortium.
- Mapbox
- MapTiler
- VersaTiles-Konsortium
Wer mitgründet, ist weder Kunde noch Sponsor, sondern Mitentscheider und Anteilseigner. Über ein Konsortium lassen sich die Unabhängigkeit, Rechtssicherheit und Mitbestimmung über die eigene digitale Infrastruktur gewährleisten.
Bis zum 1. September suchen wir die ersten zehn Mitglieder. Mit der Gründung des Konsortiums am 15. September wird der Beitrag dann verbindlich. Wenn Ihre Organisation Karten nutzt oder nutzen möchte, ohne sich abhängig zu machen, dann lassen Sie uns reden.
Michael Kreil
Datenjournalist, Entwickler und Gründer von VersaTiles